Mittwoch, 5. August 2009

Vergleich Audi Q7 V12 TDI/Porsche Cayenne Turbo S

 Es gibt Menschen, die spielen auch im Erwachsenenalter noch gern Autoquartett. Jene schlichten Kartenspiele, bei denen man seinen Gegner mittels der besseren Technikwerte in die Knie zwingt: PS, Hubraum, Zylinder, Höchstgeschwindigkeit. Wer derlei Zahlenspiele liebte und noch immer liebt, wird unsere beiden Kandidaten dieses Vergleichstests anbeten. Denn die Theorie klingt verheißungsvoll: 550 PS und 750 Nm Drehmoment verspricht das aktuelle Spitzenmodell der Cayenne-Baureihe von Porsche, der Turbo S. Doch der Audi Q7 V12 TDI lässt sich nicht lumpen und kontert mit 500 PS und vollen 1000 Nm Drehmoment. Und wir haben die zwei real existierenden Zündschlüssel in der Hand. Sie degradieren sowohl das Quartett als auch heutige Simulatorspiele am Bildschirm zu einem mickrigen Ersatz für das sinnliche Erlebnis, das nach dem Drehen eines echten Zündschlüssels aufbrandet.
Der rauhe 12-Zylinder des Audi überrascht

Ab 1500 Touren glänzt der Audi Q7 V12 TDI mit mächtigem Turboschub.Besonders viel bietet da der neue V12-TDI im Audi Q7. Knapp sechs Liter Hubraum, verteilt auf zwölf Zylinder – und genau so hört sich der Motor nach dem Start auch an. Kein serviles Gesummsel, sondern das selbstbewusste Statement eines mächtigen Verbrennungsmotors. Schon bei Leerlaufdrehzahl grollt der V12 tatendurstig. Fährt man los, untermalt der V12-TDI dies mit einem rauen Wummern. Motorenliebhaber, die präsente Maschinen schätzen, sind begeistert. Wer jedoch von einem Zwölfzylinder flüsternde Gewalt erwartet, wird enttäuscht sein. Die Gewalt ist zweifellos da, aber sie flüstert nicht. Und die Gewalt gestattet sich auch bei einem fast sechs Liter großen Turbomotor eine kleine Atempause, bevor die beiden Turbolader für geradezu beängstigenden Schub sorgen. Noch heimtückischer macht das der V8-Benzinmotor des Porsche. Denn er genehmigt sich zum einen eine noch deutlich längere Verschnaufpause nach dem Gasgeben. Zum anderen lullt er seine Besatzung mit seinem harmlos singenden Klangteppich ein — und schlägt dann erbarmungslos zu, wenn die beiden Turbos vollen Ladedruck liefern.
Im Sprint lässt der Cayenne nichts anbrennen

Beschleunigung wie am Gummiband gezogen. Sein Durst ist mindestens so beeindruckend.Bei dem nun einsetzenden Gummiband-Schub setzt sich der Porsche Cayenne Turbo S Meter um Meter vom Audi Q7 ab. Das Grinsen über den vermeintlichen Sieg vergeht einem am Steuer des Porsche erst wieder, wenn die Tankuhr zum Spritfassen mahnt. Sein Tank und der des Audi fassen jeweils 100 Liter. Aber im Schnitt kommt der Porsche damit nur 450 Kilometer weit, während der Audi bei gleicher Fahrweise und gleichem Durchschnittstempo rund 200 Kilometer mehr schafft. So sind wir mit dem Audi am Ende oft doch früher am Ziel angekommen. Auf Landstraßen und Bergstrecken zeigt der Porsche seine Abstammung aus sportlichem Hause. Bei annehmbarem Federungskomfort überzeugt er mit einem optimalen Kurvenverhalten und sensibler Lenkung. Der Audi kämpft hier sichtlich auf verlorenem Posten, denn 242 Kilogramm mehr Gewicht und ein schwerer Diesel im Vorderwagen lassen die Frontpneus bei beherzter Fahrweise im Zeitraffer altern. Dazu bietet der Audi keinerlei Vorteile beim Federungskom fort, überrollt Kanaldeckel gar unsensibler als der Porsche. Distanzieren kann der Audi den Porsche wieder, wenn Transportaufgaben anstehen: Eine zwei Meter lange Truhe bringt den Q7- Fahrer nicht in Verlegenheit, den Porsche-Treiber schon.

Die Platzverhältnisse auf allen Sitzen sind dagegen durchweg großzügig, wenn auch mit leichten Vorteilen für den Audi beim hinteren Knieraum. Diese Platzvorzüge sind jedoch nicht das Ergebnis ausgeklügelter Raumökonomie, sondern schlichter Größe. Schließlich misst der Audi einen Viertelmeter mehr als der Porsche, was sich sowohl beim Parken als auch beim Wendekreis bemerkbar macht. Ein Porsche Cayenne ist ja in Wahrheit nicht so groß wie er oft empfunden wird; ein Ford Mondeo beansprucht mehr Parkraum. Der Audi Q7 dagegen sprengt mit seiner Überlänge übliche Vorstellungen von Parkplätzen und Garagen. Seinen großen Gepäckraum lernt man zwar schnell schätzen, aber bei schwierigeren Aufgaben wie Bootslippen, Rangieren von Pferdeanhängern oder Holzholen im Wald stören die Abmessungen doch sehr. Der Porsche gibt sich dabei nicht nur handlicher, sondern auch wesentlich tauglicher fürs Grobe, weil er mehr Bodenfreiheit und weniger beschädigungsgefährdete Karosserieüberhänge zeigt.

Wovon sollen wir also träumen? Von einem Porsche Cayenne mit Audi-V12-TDI-Motor? Nein, der wäre zwar sparsamer, verlöre aber die berauschende Beweglichkeit des Porsche. Oder ein lautloser Elektro-Cayenne/Q7? Wahrscheinlich wird es so weit kommen. Dann hätten die Computerspielfreaks letztlich doch gewonnen.

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